The Camphill Movement

Die internationale Camphill-Bewegung arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die auf Grund von unterschiedlichen Behinderungen besonderer Betreuung bedürfen.
Die Arbeit der Camphill-Bewegung fusst auf den Ideen der Waldorfpädagogik und Anthroposophie.
Die erste Camphilleinrichtung wurde 1939 von dem Wiener Kinderarzt Karl König und einer kleinen Gruppe von Medizinstudenten und Künstlern in Schottland gegründet. Mittlerweile gibt es weltweit über 70 Camphill-Gemeinschaften und viele mehr, die auf ähnliche Weise arbeiten.

Das Leben in Camphill hat sich aus der Grundidee entwickelt, dass alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, vollwertige Persönlichkeiten sind und ein Recht auf ein aufgefülltes und sinnvolles Leben in Freiheit und Würde haben. Camphill hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Ideen im täglichen Leben zu verwirklichen. Es wird versucht Lebensumstände zu schaffen, in denen die Betreuten lernen können mit ihren Behinderungen zu leben, anstatt durch sie beschränkt zu sein. Sie sollen die Möglichkeit Haben, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu verwirklichen.
Zu diesem Zweck bietet Camphill den Behinderten besondere Ausbildungsmöglichkeiten, Arbeitsstätten und Plätze zum Leben an. Zusätzlich wird ein soziales Umfeld geschaffen, in dem man sich mit Freundschaft und Achtung begegnet. Jeder wird als individuelle Persönlichkeit mit seinen Fähigkeiten und Problemen angesehen. Camphill sieht sich selbst nicht als eine Einrichtung für Behinderte, sondern als Gemeinschaft von Behinderten und Nichtbehinderten.
Die meisten Camphills haben einen dörflichen Charakter, d.h. sie bestehen aus mehreren Häusern. Dort leben die Behinderten mit Betreuern, oft einer Familie mit Kindern, und weiteren Freiwilligen zusammen. Die Haushaltsaufgaben werden gemeinsam erledigt und die Mahlzeiten zusammen eingenommen. Wichtig ist es einen Lebensrythmus zu schaffen, der den Behinderten Halt bietet.
Auch die Jahresfeste haben eine wichtige Bedeutung für die Camphill-Gemeinschaft. Sie werden zusammen vorbereitet und gefeiert. Diese Grundstruktur haben fast alle Camphills gemeinsam. Trotzdem ist jedes Camphill individuell gestaltet, abhängig von den regionalen und kulturellen Gegebenheiten, den Bedürfnissen der Bewohner und auch davon, ob es sich mehr um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt. Die Kinder werden hauptsächlich in den Camphill (Special) Schools unterrichtet und betreut. In der Regel werden nur die Ferien bei ihren leiblichen Eltern verbracht. Neben dem Unterricht lernen die Kinder praktische Fähigkeiten zu entwickeln. Dies geschieht in Werkstätten, im Garten oder im Umgang mit Tieren. Weiterhin haben die Schulen ein grosses therapeutisches Angebot für die Kinder. Beispiele sind Bewegungs- und Reittherapie, Schauspiel, Musik-, Mal- und Sprachtherapie und individuell entwickelte Therapien für einzelne Kinder. Die Arbeit mit den Kindern ist nicht einfach.
Besonders kleine Kinder brauchen viel Geduld und Liebe.


Aufgabe der Betreuer ist es, Ihnen Schritt für Schritt die alltäglichsten Dinge beizubringen, angefangen bei den richtigen Verhaltensweisen bei den Mahlzeiten bis zum Erlernen hygienischer Massnahmen. Doch auch die kleinsten Erfolge sind eine grosse Freude, für das Kind und die Betreuer in gleichem Masse. Kreativität, Einfühlungsvermögen und die Freude an pädagogischen Tätigkeiten sind Fähigkeiten, die in der Arbeit mit behinderten Kindern ausgesprochen hilfreich sind. ältere Kinder brauchen einen Betreuer, der ihnen mit einem starken Charakter zum Vorbild werden kann. Dies setzt körperliche sowie psychische Stabilität der Betreuer voraus.

Nach der Schule gehen die Jugendlichen oft in Camphill-Gemeinschaften, die ein Ausbildungsprogramm für die Behinderten anbieten. Hier steht neben der schulischen Weiterbildung vor allem das Erlernen praktischer Fähigkeiten in den verschiedenen Werkstätten und auch im Land- bzw. Gartenbau im Vordergrund. Das Hauptaugenmerk liegt nicht in der Produktivität der einzelnen Werkstätten. Vielmehr sollen die Behinderten durch die Arbeit ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen entdecken, sich aber auch ihrer eigenen Grenzen bewusst werden. Die Betreuer helfen den Behinderten, ihren eigenen Weg in das Erwachsenenleben und damit in die Selbständigkeit zu finden. In den Camphill-Dörfern leben behinderte Erwachsene ungefähr ab ihrem 25 Lebensjahr. Sie bieten als Grundlage für die Therapie die soziale Gemeinschaft und geben den Behinderten die Möglichkeit, durch Arbeit ihr Leben sinnvoll zu gestalten.
Oft verfügen die Dörfer über ein breit gefächertes Angebot von Werkstätten, in denen gemeinschaftlich gearbeitet wird. Meistens gehört zu den Dorfgemeinschaften auch ein grosses Grundstück, auf denen Ackerbau, Viehwirtschaft und ein grosser Garten betrieben wird. So versorgt sich die Gemeinschaft zu einem grossen Teil mit Milch, Fleisch, Gemüse, Kräutern, Obst und vielem mehr weitgehend selbst. Die Werkstätten sind von Camphill zu Camphill unterschiedlich, am häufigsten gibt es: Bäckerei / Konditorei, Weberei, Schreiner, Töpferei, Kerzen- und Papierwerkstätten. Viele der in den Werkstätten hergestellten Produkte werden zum Verkauf angeboten, der Gewinn kommt der ganzen Gemeinschaft zu gute. So wird den Behinderten ein ausgefülltes und abwechslungsreiches Berufsleben im Rahmen einer sozialen Gemeinschaft geboten.
Auch bemühen sich die Gemeinschaften um ein möglichst vielseitiges künstlerisches und kulturelles Leben. Dies beinhaltet Theater, Konzerte und Veranstaltungen. Junge Freiwillige und Ersatzzivildienstleistende, die gerne für einige Zeit in eine solche Einrichtung gehen möchten, sollten diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen. Auf keinen Fall sollte der Erwerb einer neuen Sprache, Abenteuerlust oder das Interesse an einer anderen Kultur ausschlaggebend für einen solchen Dienst sein. Viel mehr sollte die Bereitschaft, anderen helfen zu wollen, insbesondere behinderten Menschen, und das Interesse an einem Leben in einer Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Die Arbeit mit Behinderten ist, unabhängig vom Alter der Schützlinge und der Art der Behinderung, eine grosse physische, vor allem aber eine psychische Belastung.

Das Leben in den Gemeinschaften bedeutet, dass man den Tag zusammen beginnt und auch beendet. Es gibt keine festen Arbeitszeiten, da die Betreuung der Behinderten nicht als Arbeit, sondern als Lebensweise betrachtet wird. Doch gerade diese Lebensweise macht Camphill zu einem so einzigartigen Ort. Menschen aus der ganzen Welt, mit völlig unterschiedlichen Hintergründen leben hier zusammen. Das so ein Leben in einer Gemeinschaft nicht immer völlig spannungslos verläuft, ist ganz natürlich. Hierin liegt aber auch eine Herausforderung, soziale Konflikte zum Wohle aller zu lösen. Eine Zeit lang an einem Ort wie Camphill zu leben, ist ein ganz besonderes Stück Lebenserfahrung.